Zeughaus zu Lübeck, Untergeschoss

Hinter
verschlossenen
Türen

Ein Film von Florian Wartner und Michael Haydn über die erhaltenen Gestapo-Zellen im Lübecker Zeughaus. Premiere am 20. November 2026.

Offene Zellentür, dahinter fällt Licht in eine leere Zelle
Offene Zellentür im Untergeschoss
EG · Fassade am DomGroßer Bauhof / Domkirchhof
Vergittertes Kellerfenster, von unten gesehen
Vergittertes Kellerfenster

Ein Haus, an dem man vorbeigeht.

1594 im Stil der niederländischen Renaissance errichtet: Backstein, Sandstein, abgetreppte Giebel. Waffenarsenal, Kaserne in der Franzosenzeit, Wollmagazin bis zum Ersten Weltkrieg. Ab 1923 nutzt die Polizei das Haus, mit Gewahrsamszellen im Keller.

Nach 1933 wird es Sitz der Geheimen Staatspolizei. Die Zellen im Untergeschoss sind bis heute erhalten. Öffentlich zugänglich sind sie nicht.

53° 51′ 41,5″ N · 10° 41′ 5,1″ O

Treppe ins UntergeschossDer Film

Wir sind hinuntergegangen.

Trailer · mit Untertiteln[0:00]

Die Türen im Keller des Zeughauses öffnen sich nur selten. Wir haben sie mit der Kamera betreten und mit denen gesprochen, die heute neben diesem Ort leben, arbeiten und Verantwortung tragen: mit dem Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, der Pastorin am Dom und mit Nachbarinnen und Nachbarn.

„Es ist wichtig, dass dieser Ort eine Stimme erhält.“
Florian Wartner
Ein Film von
Florian Wartner und Michael Haydn
Länge
[XX] Minuten
Drehort
Zeughaus und Domviertel, Lübeck
Premiere
20. November 2026, Lübeck
Ausgetretene Stufen führen hinunter in den dunklen Kellerflur
Die Treppe ins Untergeschoss des Zeughauses
UG · KellerflurChronik

Vom Arsenal zum Ort der Verfolgung

  1. 1594
    Bau des Zeughauses. Errichtet unter Ratsbaumeister Hans von Rode als Waffenarsenal neben dem Dom.
  2. 1826
    Wollmagazin. Nach Räumung und Nutzung als Kaserne lagern Lübecker Wollhändler ihre Ware in Lattenverschlägen, bis zum Ersten Weltkrieg.
  3. 1921-23
    Polizeidienstgebäude. 1921/22 wird das Innere dreigeschossig ausgebaut, Anbauten verbinden das Haus mit dem Dom. Ab 1923 ist es Polizeidienststelle, im Keller liegen Gewahrsamszellen.
  4. 1933
    Die Gestapo übernimmt. Das Zeughaus wird Sitz der Geheimen Staatspolizei in Lübeck. Im Untergeschoss liegen die Verhörzellen.
  5. 1937
    Verhaftungswelle gegen homosexuelle Männer. Im Januar werden viele ins Zeughaus gebracht, verhört und teils misshandelt. Die oft genannte Zahl von 230 Männern ist laut Historiker Christian Rathmer nicht belegt.
  6. 1941
    Deportation. Am 6. Dezember müssen sich 92 Lübecker Jüdinnen und Juden in der St.-Annen-Straße sammeln; sie werden nach Riga deportiert. Die meisten werden im März 1942 im Wald von Biķernieki ermordet.
  7. 1942
    Die Lübecker Märtyrer. Die Gestapo verhaftet die Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller und Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Am 10. November 1943 werden sie in Hamburg hingerichtet.
  8. 1986
    Mahnmal. Am Torweg erinnert ein Erinnerungsmal von Erich Lethgau an die Verfolgten 1933-1945. 2016 kommt eine Tafel für die verfolgten homosexuellen Männer hinzu.
  9. heute
    Verschlossen. Die Zellen sind erhalten, aber nicht öffentlich zugänglich. Seit 2019 arbeitet die Stadt an einem Konzept „Wege von Verfolgung und Widerstand“; eine Initiative fordert einen Gedenk- und Lernort.

Quellen und offene Fragen zu dieser Chronik

Schmaler Kellerflur mit einer Reihe von Zellentüren
Der Kellerflur mit den Zellentüren, heute
Blick durch die offene Tür in eine leere Zelle mit kleinem Fenster

Die Zellen sind bis heute erhalten. Und verschlossen.

Nicht öffentlich zugänglich. Eine Initiative fordert einen Gedenk- und Lernort.

UG · Die ZellenVerfolgte

Wen die Gestapo holte

Politische Gegner, homosexuelle Männer, Christen im Widerstand, Jüdinnen und Juden: Für viele begann der Weg in Haft, Lager oder Tod hier unten.

Türspion in einer Zellentür, von einem Lichtstreif getroffen
Türspion in einer Zellentür
Geöffnete Klappe mit Gitter in einer Zellentür
Klappe in der Zellentür
ab 1933

Politische Gegner

Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter. Eine Tafel im Bürgerschaftssaal nennt sieben verfolgte Abgeordnete, darunter Julius Leber und Johannes Stelling. Der Redakteur Fritz Solmitz wurde im KZ Fuhlsbüttel ermordet.

1933-1942

Jüdinnen und Juden

Rund 500 lebten 1933 in Lübeck. 1938 überfielen SA, SS und Gestapo Wohnungen und Geschäfte von 293 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern. 1941/42 folgten die Deportationen.

Januar 1937

Homosexuelle Männer

Festgenommen, ins Zeughaus gebracht, verhört, misshandelt. Es folgten Prozesse nach § 175, Haft und Konzentrationslager. Seit 2013 wird jedes Jahr am 23. Januar am Mahnmal an sie erinnert.

1942-1943

Christlicher Widerstand

Drei katholische Kapläne und ein evangelischer Pastor teilten regimekritische Schriften. Die Gestapo verhaftete sie, der Volksgerichtshof verurteilte sie zum Tode. Mit ihnen angeklagt: Laien wie Adolf Ehrtmann und Stephan Pfürtner.

EG · Torweg mit ErinnerungsmalErinnern

Die Inschrift am Torweg

„Ihr Leiden begann oft hier, in den Haftzellen der Geheimen Staatspolizei im Keller des ehemaligen Zeughauses.“

Inschrift des Erinnerungsmals von Erich Lethgau, 1986. Bis heute der einzige Hinweis am Haus.
Außen · DomkirchhofStimmen

Die Nachbarn

Wer heute neben dem Zeughaus lebt, betet, regiert oder arbeitet. Und was es heißt, dass hinter diesen Mauern geschah, was geschah.

Ihre Stimmen folgen, sobald die Interviews freigegeben sind.

Im Film sprechen
  • Bürgermeister der Hansestadt Lübeck
  • Pastorin am Lübecker Dom
  • Nachbarin am Domkirchhof
  • Nachbar am Großen Bauhof
Ausgang · Großer BauhofTermine

Den Film sehen

  • 20.11.Freitag, 2026, [19:00 Uhr]Premiere zur Zeit des ErinnernsMuseum für Natur und Umwelt, Lübeck. mit Filmgespräch · Eintritt [frei / Preis]Plätze reservierenIn den Kalender (.ics)
  • 23.01.Samstag, 2027, [Uhrzeit]Gedenktag am MahnmalZeughaus, Torweg. [in Abstimmung mit dem Lübecker CSD e. V.]Mehr erfahren
November und Dezember 2026Alle Termine der Zeit des ErinnernsZum Kalender

Den Film zeigen

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Florian Wartner und Michael Haydn

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